Gebrauchte Schutzkleidung: Gilt die Norm noch?
Warnschutz, Flammschutz, Schweißerschutz aus zweiter Hand. Was nach Tragen und Waschen von der Schutzwirkung übrig bleibt, wann der Einsatz im Betrieb erlaubt ist und worauf Sie beim Kauf achten müssen.
Die kurze Antwort
Eine gebrauchte Warnschutzjacke trägt oft noch das Etikett mit EN ISO 20471. Das heißt aber nicht, dass sie die Norm heute noch erfüllt. Die Zertifizierung gilt für das Teil im Auslieferungszustand und für eine begrenzte Zahl an Waschgängen, die der Hersteller angibt. Wie viele davon schon verbraucht sind, steht nirgends.
Deshalb gilt in diesem Shop: Wir schreiben hin, welche Normen auf dem Etikett standen, und zeigen den Zustand auf Fotos. Wir sichern die Schutzwirkung nicht zu und verkaufen die Teile nicht als geprüfte persönliche Schutzausrüstung.
Was genau nachlässt
Bei Warnschutz nach EN ISO 20471 sind zwei Dinge entscheidend: die fluoreszierende Fläche und die Reflexstreifen. Das Fluoreszenzmaterial verliert durch Sonnenlicht und Waschen an Leuchtkraft, sichtbar als Ausbleichen von Leuchtgelb zu blassem Gelbgrün. Die Reflexstreifen bestehen aus winzigen Glaskugeln oder Mikroprismen. Sie brechen, lösen sich ab oder werden von Schmutz überdeckt. Ein Streifen, der matt aussieht und im Blitzlicht nicht mehr hell aufleuchtet, reflektiert auch im Scheinwerferlicht kaum noch.
Bei Flammschutz nach EN ISO 11612 ist das Problem ein anderes und gefährlicher: Öl, Fett und Lösungsmittel im Gewebe sind brennbar. Ein Teil, das im Neuzustand selbstverlöschend war, kann mit Ölflecken durchaus brennen. Deshalb schreiben Hersteller für Flammschutzkleidung gesonderte Waschverfahren vor. Bei gebrauchter Ware weiß niemand, ob die eingehalten wurden.
Bei Antistatik nach EN 1149 leiden die leitfähigen Fäden im Gewebe unter Abrieb. Auch hier lässt sich von außen nichts erkennen.
Der einfache Sichttest
Ganz ohne Labor können Sie dreierlei prüfen, wenn das Teil bei Ihnen angekommen ist.
- Blitzlichttest für Reflexstreifen. Fotografieren Sie das Teil in einem abgedunkelten Raum mit Blitz aus etwa drei Metern. Intakte Streifen leuchten grell weiß. Stumpfe, graue Stellen sind verbraucht.
- Farbvergleich für Warnfarben. Vergleichen Sie eine Stelle, die immer verdeckt war, etwa unter dem Kragen oder in einer Tasche, mit der Außenfläche. Ein deutlicher Unterschied zeigt, wie stark ausgeblichen ist.
- Geruch und Griff bei Flammschutz. Riecht das Gewebe nach Öl oder fühlt sich an einer Stelle speckig an, ist der Flammschutz an dieser Stelle fraglich.
Wann Sie gebrauchte Schutzkleidung einsetzen dürfen
Im Betrieb stellt der Arbeitgeber die persönliche Schutzausrüstung und entscheidet im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung, was geeignet ist. Gebrauchte Teile sind dabei nicht grundsätzlich verboten, aber der Arbeitgeber muss sicherstellen, dass die Schutzwirkung vorhanden ist. Ohne Nachweis über Waschzyklen und Zustand ist das bei anonymer Gebrauchtware praktisch nicht möglich. Für den vorgeschriebenen Warnschutz auf einer Autobahnbaustelle ist gebrauchte Ware deshalb die falsche Wahl.
Anders sieht es aus, wenn keine Vorschrift dahintersteht: im eigenen Garten, in der Hobbywerkstatt, beim Umzug, auf dem Hof, im Verein. Hier zählt, dass die Hose robust ist und ein Reflexstreifen besser ist als keiner. Genau dafür sind die Teile in diesem Shop gedacht.
Die Normen im Klartext
| Norm | Wofür | Was gebraucht kritisch ist |
|---|---|---|
| EN ISO 20471 | Warnschutz, hohe Sichtbarkeit | Leuchtkraft und Reflexstreifen lassen nach |
| EN ISO 11612 | Hitze und Flammen | Öl und Fett im Gewebe heben den Schutz auf |
| EN ISO 11611 | Schweißen | Funkenlöcher, dazu wie bei 11612 |
| EN 13034 | Chemikalienspritzer | Ausrüstung wäscht sich aus |
| EN 1149 | Elektrostatik | Leitfähige Fäden brechen durch Abrieb |
| EN 381 | Schnittschutz Kettensäge | Nie gebraucht kaufen, Schnittschutzeinlage kann vorgeschädigt sein |
Schnittschutzkleidung für die Kettensäge ist die eine Ausnahme, bei der wir klar abraten. Ein Schnitt in die Einlage ist von außen nicht zu sehen und kann im Ernstfall über ein Bein entscheiden. Solche Teile verkaufen wir nur mit deutlichem Hinweis und nur für Sammler oder Ausstellungszwecke.
Häufige Fragen
Darf mein Arbeitgeber mir gebrauchte Schutzkleidung geben?
Grundsätzlich ja, wenn er im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung sicherstellt, dass die Schutzwirkung vorhanden ist. Bei anonymer Gebrauchtware ohne Waschprotokoll ist dieser Nachweis in der Praxis kaum zu führen. Bei vorgeschriebener persönlicher Schutzausrüstung sollte der Betrieb neu kaufen oder auf zertifizierte Mietwäsche setzen.
Kann ich gebrauchte Warnschutzkleidung wieder aufbereiten?
Die Leuchtkraft kommt nicht zurück. Reflexstreifen lassen sich reinigen, aber nicht reparieren. Waschen Sie das Teil bei der auf dem Etikett angegebenen Temperatur, ohne Weichspüler, weil der sich auf die Reflexstreifen legt.
Wie viele Waschgänge hält Warnschutzkleidung?
Hersteller geben je nach Modell 25 bis 50 Industriewäschen an. Bei Haushaltswäsche bei 40 oder 60 Grad sind es meist mehr. Wie viele davon schon verbraucht sind, lässt sich bei gebrauchter Ware nicht feststellen.
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Alle Teile sind Einzelstücke, einzeln fotografiert, gemessen und mit einer Zustandsnote versehen.
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